Vom Taschenrechner zum „Cloud Computing“ Blicken auf erfolgreiche 30 Jahre zurück: die Gründer und die aktuellen Geschäftsführer der Kumatronik GmbH (von links): Manfred Wahl, Martin Seeger, Erich Striedacher und Kurt Striedacher. (Foto: li)

Vom Taschenrechner zum „Cloud Computing“

Überlingen/Markdorf / sz Als das baden-württembergische Kultusministerium 1980 per Erlass Taschenrechner als Werkzeug an weiterführenden Schulen zuließ, hatten Manfred Wahl und Kurt Striedacher den richtigen Riecher. Sie erkannten, dass dieses Geschäftsfeld interessant werden könnte – und stiegen in den Handel ein. Dass sie drei Jahrzehnte später bei einem IT-Forum anlässlich des 30-jährigen Bestehens ihrer Firma Kumatronik über Prozessoren mit 3D-Transistoren oder Laptops, die durch Berühren mit den Fingern aufgeladen werden, referieren würden, das hätten sie damals aber sicher nicht mal zu träumen gewagt.

Vom heutigen Entwicklungsstand war die Technik der frühen 1980er-Jahre gefühlte Lichtjahre entfernt. Auf jene Anfangsjahre blickte Manfred Wahl zu Beginn des IT-Forums, zu dem Kumatronik ihre Kernkunden ins Parkhotel St. Leonhard in Überlingen eingeladen hatte, zurück. Bald nach den Taschenrechnern kamen aus den USA die ersten Computer, die als „elektronische Wunderwerke“ galten – und Kumatronik mischte als einer der ersten Partner von IBM und Apple in Deutschland von Beginn an kräftig mit. Um in dieser alsbald boomenden Branche konkurrenzfähig zu bleiben, war es erforderlich, sich immer weiter zu spezialisieren, was auch die Gründung mehrerer Tochterunternehmen zur Folge hatte – und sich vom reinen Händler zum Dienstleister und schließlich zum Anbieter individueller IT-Lösungen weiterzuentwickeln. Nur so hat es das einst im kleinen Bavendorf gegründete Unternehmen, dessen Zentrale sich mittlerweile in Markdorf befindet, geschafft, aus einer Idee eine Marke zu etablieren.

Einen Blick in die Zukunft der Informationstechnologie wagte Kurt Striedacher. Da war zum Beispiel von Prozessoren die Rede, die dank 3D-Transistoren um ein vielfaches kleiner, schneller und energieeffizienter werden. Von der neuen Speichertechnologie „Racetrack Memory“, die 100000 mal schneller als konventionelle Festplatten sein soll und in fünf bis sieben Jahren für jedermann zu haben sein wird. Oder eben von bereits erwähnten Laptops, deren Akku nicht mehr aus der Steckdose aufgeladen werden muss, weil die Bewegungsenergie beim Berühren des Touchscreens in elektrische Energie umgewandelt wird. Beeindruckend auch so manche Zahl, die Striedacher in den Raum warf: So gehen Prognosen zum Beispiel davon aus, dass im Jahr 2015 im Internet sechs Milliarden DVDs pro Minute übertragen werden.

Und wie wird sich die Kumatronik GmbH in Zukunft weiterentwickeln? Wie Geschäftsführer Martin Seeger ausführte, auf jeden Fall noch weiter in Richtung Anbieter individueller IT-Lösungen. Wichtig für den Kunden von übermorgen werde es, sich zu überlegen, welche Unternehmensaktivitäten man abgeben kann, um sich voll und ganz um die Dinge zu kümmern, die das Unternehmen tatsächlich voran bringen. Konzentration auf die Kernkompetenz könnte man das nennen. In dem Zusammenhang nannte Seeger das Stichwort „Cloud Computing“, das nach seiner Einschätzung an Bedeutung gewinnen wird. Dabei wird IT-Infrastruktur nicht mehr selbst betrieben, sondern als Dienst von einem unternehmensfremden Anbieter gemietet.

In den anschließenden Fachvorträgen ging es um Themen wie „Unternehmenskommunikation im Wandel“ oder „Der Drucker als Sicherheitslücke im Unternehmen“. Abends wurde kräftig dann gefeiert. Dass ein mittelständisches Unternehmen aus der noch jungen IT-Branche bereits seinen 30. Geburtstag feiern kann, ist schließlich nicht gerade alltäglich.

Quelle: Schwäbische Zeitung, 21.7.2011